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Rhein-Lahn-Zeitung
vom 03.04.2000
Von
Dr. Ulrike Neu
Vocalensemble
Unterlahn feierte sein zehnjähriges Bestehen mit einem
Konzert in der Lahnblickhalle – Die Stärke des Chores
sind eindeutig gefühlvolle Lieder
Irgendwo
in Elz war es gewesen – man saß gemütlich beisammen
und stellte fest, dass man ein gemeinsames Hobby hat: das
Singen. „Yesterday“ von den Beatles wurde probiert,
sehr erfolgreich offenbar, denn gleich darauf gründete
man einen neuen Chor mit dem Namen Vocalensemble
Unterlahn.
Altendiez.
Zehn Jahre ist es jetzt her, dass sich aus einer trauten
Runde unter der Führung von Andreas Sehrbrock ein
vortrefflicher Chor gemausert hat, der durch viele
gelungene Auftritte in der Region bekannt werden konnte.
25 Sängerinnen und Sänger aus 16 verschiedenen Gemeinden
der Kreise Rhein-Lahn, Westerwald und Limburg-Weilburg
kommen zusammen, singen aber überwiegend noch in anderen
Chören mit, so dass das Vocalensemble Unterlahn keine
Konkurrenz, sondern eine Alternative zu bestehenden
Vereinen bildet.
Mit
einem Konzert in der Lahnblickhalle feierte man seinen
Geburtstag, und man erlebte einen sehr vielseitigen jungen
Chor, dessen Repertoire sich an diesem Abend von alten und
zeitgenössischen geistlichen Motetten über Spirituals,
Popsongs und Jazz-Arrangements sogar bis zur – wenn auch
nicht ganz ernst gemeinten Techno-Musik erstreckte. Thomas
Wöll führte dabei zwanglos und kurzweilig durchs
Programm und machte mit wertvollen Bemerkungen neugierig
auf die einzelnen Stücke.
Und
die hatten es zum Teil wirklich in sich: „De Profundis“
von Vic Nees stellte grosse Ansprüche an die Sängerinnen
und Sänger, die gleichzeitig in zwei verschiedenen
Tonarten zusammen singen mussten und viele harmonische Hürden
zu bewältigen hatten. Doch Andreas Sehrbrock hatte seinen
Chor bestens vorbereitet, und man war auch diesen
schwierigen Anforderungen gewachsen. Sehr sauber und mit
grossem Gefühl intonierte das Ensemble auch das irische
Abschiedslied „An Irish Blessing“ und zeigte viel
Frische und Begeisterung in dem Spiritual „Ain’ a that
good news“. Überaus transparent und gleichzeitig robust
ist der sauber intonierte Gesamtklang des Chores.
Die
grosse Stärke des Chores sind zweifelsfrei gefühlvolle
Balladen aus dem Jazz – und Popbereich, die natürlich
auch an diesem Abend nicht fehlen durften: Bei „When I
fall in love“ traf man genauso den richtigen Ton und
formte ein empfindsam schwelgerisches Timbre wie in dem
wunderschönen Lied „Over the rainbow“ und „That’s
what friends are for“. Aber auch swingen konnte man überzeugend,
wie man mit dem Titel „Singing in the rain“ zeigte,
und „Alle meine Entchen“ in einer pfiffig humorvollen
Techno-Version sorgte ebenso für stürmischen Beifall.
Den
erhielten auch die Niederelberter Dorfspatzen, ein
bemerkenswerter Kinderchor, der an diesem Abend
musikalischer Geburtstagsgast war. Glasklar sind die
jungen Stimmen, perfekt in Intonation und Tongebung, ob
solistisch („Wiegenlied“ von Brahms) oder im ganzen
Ensemble. Mit einigen Spirituals aber auch mit dem rührenden
„Abendlied eines blinden Kindes“ zog man das Publikum
in seinen Bann und begeisterte mit einem schwungvollen
Medley aus dem Film „Sister Act“.
Niemals
ließ der Chorleiter Walter Frink seine Schützlinge laut
oder zu energisch singen, immer stand die Klangästhetik
im Mittelpunkt. Zärtlich und leichtfüssig gelangen so
auch das „Schön’ Blümlein“ von Robert Schumann und
mit grossem Ausdruck die Ballade „One Song“, die man
mit Bewegung und teilweise sogar mit Gebärdensprache
unterlegte.
Einer
ganz anderen Art der Präsentation hat sich der Kammerchor
„Cannibale Vocale“ (Leitung: Matthias Labonte) aus dem
Westerwald verschrieben: Wie sein Name schon verrät,
steht hier neben dem sängerischen Können vor allem der
Humor ganz oben. Eine Art Musik-Kabarett mit flotten Sprüchen
und durchaus auch einmal schlüpfrigen Witzen ist die
Intention der Sänger, die den Klassiker „Lollipop“
mit einer deutschen Übersetzung und geworfenen Lollies
genauso aufs Korn nahmen wie Drafi Deutschers „Marmor,
Stein und Eisen bricht“. Nach dem afrikanischen Lied in
Westerwälder Mundart Schuberts „Zur guten Nacht“
bildete den Schlusspunkt, bei dem sogar ein Kerzenleuchter
auf dem Klavier für die rechte Stimmung sorgte. |